Lutherkirche Bonn-Poppelsdorf, Reuterstraße 11

Neujahrskonzert: „Telemann an der Alster“

Georg Philipp Telemann

Ouverturen-Suite “Alster” für 4 Hörner und Orchester
Konzert G-Dur für Violine und Streicher (TWV 51:G7)
Konzert E-Dur für Traversflöte und Orchester (TWV 51:E1)

Die Alster-Ouverture, ein Geniestreich

Als Telemann 1725 seine Alster-Suite komponierte, war er bereits seit vier Jahren städtischer Musikdirektor in Hamburg, und nach eher kirchlich orientierter Anfangszeit wandte er sich mehr und mehr der weltlichen Musik zu. Dazu gehörten auch zahlreiche Konzerte, die er für die Hamburger Bürgerschaft gab und für die er ausschließlich eigene Kompositionen verwendete. Besonders beliebt war dabei die Form der sog. Ouverturen-Suite: Nach einer glanzvollen Ouverture folgen kurze Tanzsätze im französischen Stil.

Zwar hielt sich Telemann auch bei der Alster-Suite an diese äußere Form, leistete sich aber in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Abwei­chungen: Die sehr seltene Besetzung mit gleich 4 Naturhörnern, die deutschen Überschriften über die Tanzsätze und die damit schon bewirkten Effekte bei den Zuhörern machen die Suite zu einem Paradebeispiel für die sog. Lautmalerei, bei der man durch die Musik unweigerlich in die damalige Welt entlang der Alster hineingezogen wird: Die „Pallas“ – das Flaggschiff der Hambur­gischen Marine aus dieser Zeit – schießt Salut, von einem Alster­ufer zum anderen erschallt ein Echo, man hört das Glockengeläut der Hamburger Kirchen, und die Schwäne auf der Alster lassen ihren traurig-schönen Gesang erklingen. Telemann scheute sich aber auch nicht, die Musik selbst auf den Arm zu nehmen: In der „Alster-Schäfer Dorfmusik“ finden sich mehr oder weniger begab­te, leicht schräg klingende Musiker zusammen, und das Duett aus Fröschen und Krähen klingt auch eher grotesk als melodisch. Unvermeid­lich folgt ein Ausflug in die griechische Mythologie mit den Göttern Pan und Peleus, damals ein Muss in jeder programma­tischen Musik. Vor den Göttern ergreifen dann die übrigen Beteiligten rasch die Flucht von der musikalischen Bühne: Ihr „eilfertiger Abzug“ beendet die Suite, die zu Recht eines der berühmtesten Werke Telemanns ist und vor allem eines – eine Liebeserklärung an seine Stadt Hamburg.